Karteikarten – Kapitel 7: Fortgeschrittene Fragen der Unternehmensbewertung

Karteikarte 1: Äquivalenzprinzip

Vorderseite: Was besagt das Äquivalenzprinzip bei der Basiszinssatz-Ermittlung?

Rückseite:

  • Risikoäquivalenz: Gleiche Risikostruktur zwischen Investition und Alternative
  • Laufzeitäquivalenz: Gleiche Laufzeit zwischen Investition und Alternative
  • Währungsäquivalenz: Gleiche Währung zwischen Investition und Alternative

Karteikarte 2: Risikoäquivalenz-Problem

Vorderseite: Welche Probleme entstehen bei der Risikoäquivalenz in der Praxis?

Rückseite:

  • Schwierigkeit, tatsächlich sichere Investitionsalternativen zu finden
  • Staatsanleihen von Hochrisikostaaten enthalten Risikoaufschläge
  • Kapitalmarktsperren verhindern Auslandsanlagen
  • Währungsäquivalenz kann nicht eingehalten werden
  • Frage: Was tun, wenn kein Staat mehr als risikolos gilt?

Karteikarte 3: Laufzeitäquivalenz-Problem

Vorderseite: Was ist das Problem der Laufzeitäquivalenz?

Rückseite:

  • Unternehmensbewertung arbeitet mit unendlichen Planungshorizonten
  • Am Kapitalmarkt gibt es keine derart langlebigen Investitionsalternativen
  • Fraglich, ob Extrapolation kurzfristiger Anlagerenditen für langfristige Bewertungen statthaft ist

Karteikarte 4: Renditeberechnung Staatsanleihen

Vorderseite: Wie wird die Rendite von Staatsanleihen berechnet?

Rückseite:

Die Rendite ist der interne Zinsfuß der Zahlungsreihe:

Nennwert × Kurs + Stückzinsen = Σ(Kupon_t + Rückzahlung_t)/(1+r)^t
  • Lösung nur bis 2 Perioden direkt möglich
  • Für längere Laufzeiten: Näherungsalgorithmen (Regula Falsi/Sekantenverfahren)

Karteikarte 5: Renditestruktur vs. Zero Curve

Vorderseite: Was ist der Unterschied zwischen Renditestruktur und Zero Curve?

Rückseite:

  • Renditestruktur: Gegenüberstellung von Laufzeit und Rendite aller Staatsanleihen
  • Zero Curve: Zinsstruktur basierend ausschließlich auf Nullkuponanleihen
  • Problem: Nicht genügend Nullkuponanleihen am Markt verfügbar
  • Lösung: Bootstrapping-Verfahren zur Umrechnung

Karteikarte 6: Bootstrapping-Verfahren

Vorderseite: Wie funktioniert das Bootstrapping-Verfahren?

Rückseite:

  1. Kupons als selbstständige Zahlungsströme betrachten
  2. Beginnen mit einjährigen Anleihen (Spot-Rate r₀,₁)
  3. Schrittweise Ermittlung längerer Spot-Rates
  4. Verwendung des Zusammenhangs Spot-/Forward-Zinssatz
  5. Ergebnis: Bondkurve mit Spot-Rates für alle Laufzeiten

Karteikarte 7: Zinsswaps Grundlagen

Vorderseite: Was sind Zinsswaps und wie funktionieren sie?

Rückseite:

  • Derivative Finanzinstrumente zur Zinsabsicherung
  • Gegenseitige Kreditgewährung zwischen zwei Parteien:
    • Partei A: Festzinskredit an B
    • Partei B: Variabel verzinslicher Kredit an A
  • Kein Kapitalaustausch, nur Zinszahlungen
  • Umwandlung Festzins ↔ variabler Zins

Karteikarte 8: Swap-Kurve vs. Government Curve

Vorderseite: Welche Risiken haben Zinsswaps und wie unterscheidet sich die Swap-Kurve?

Rückseite:

  • Kein Kreditausfallrisiko (kein Kapitalaustausch)
  • Kontrahentenrisiko: Verlust des positiven Marktwerts bei Ausfall
  • Swap-Kurve liegt höher als Government/Sovereign-Curve
  • Grund: Kontrahentenrisiko + hohe Beliebtheit von Staatsanleihen

Karteikarte 9: Nelson/Siegel-Modell

Vorderseite: Wie lautet die Nelson/Siegel-Formel und wofür wird sie verwendet?

Rückseite:

Formel: r(T) = β₀ + β₁[(1-e^(-T/τ₁))/(T/τ₁)] + β₂[(1-e^(-T/τ₁))/(T/τ₁) - e^(-T/τ₁)]

Verwendung:

  • Anpassung mathematischer Funktionen an Zinsstrukturdaten
  • Methode der kleinsten Quadrate (Regression)
  • Flexible Abbildung verschiedener Zinsstrukturverläufe

Karteikarte 10: Svensson-Erweiterung

Vorderseite: Was ist die Svensson-Erweiterung und welche Vorteile bietet sie?

Rückseite:

  • Erweiterung des Nelson/Siegel-Modells um zusätzlichen Summanden
  • 6 Parameter: β₀, β₁, β₂, β₃, τ₁, τ₂
  • Vorteile:
    • Darstellung s-förmiger Zinsstrukturverläufe möglich
    • Bessere Teststatistiken
    • Verwendung durch die Deutsche Bundesbank
    • β₀ = Konvergenzwert für T → ∞

Karteikarte 11: IDW-Anpassungen

Vorderseite: Welche Anpassungen schlägt das IDW für die Zinsstruktur vor?

Rückseite:

  1. Glättung: 3-Monats-Mittelwertbildung der Bundesbank-Parameter
  2. Vereinfachung: Ableitung eines einheitlichen Basiszinssatzes
  3. Verfahren: Typisierte Zahlungsreihe mit Zinsstruktur abzinsen → interner Zinsfuß
  4. Kritik: Übergewichtung langfristiger, ungenauer Zinssätze

Karteikarte 12: Vor- und Nachteile IDW-Verfahren

Vorderseite: Was sind die Vor- und Nachteile des IDW-Verfahrens?

Rückseite:

Vorteile:

  • Weitestgehend verzerrungsfreie Zinsstrukturkurve
  • Vereinfachte Anwendung durch einheitlichen Basiszinssatz

Nachteile:

  • Nicht taggenau (Ø 1,5 Monate alt)
  • Übergewichtung langfristiger Zinssätze
  • Verzerrung der Detailplanungsphase
  • Besserer Ansatz: Periodenspezifische Zinssätze in der Detailplanung

Karteikarte 13: Zinsstrukturkurven-Verläufe

Vorderseite: Welche verschiedenen Verläufe kann die Zinsstrukturkurve haben?

Rückseite:

  • Normal: Steigend mit der Laufzeit (häufigster Fall)
  • Flach: Konstante Zinssätze über alle Laufzeiten
  • Invers: Fallend mit der Laufzeit
  • S-förmig: Kombination aus steigenden und fallenden Abschnitten
  • Buckel: Zunächst steigend, dann fallend

Karteikarte 14: Regula Falsi/Sekantenverfahren

Vorderseite: Wann und warum wird das Sekantenverfahren verwendet?

Rückseite:

Verwendung: Bei Renditeberechnung von Anleihen mit Laufzeit > 2 Perioden

Grund:

  • Polynom 3. oder höheren Grades nicht direkt lösbar
  • Näherungsalgorithmus für interne Zinsfußberechnung
  • Funktioniert bei maximal einem Vorzeichenwechsel der Zahlungsreihe
  • Bei Anleihen normalerweise gegeben

Karteikarte 15: Opportunitätskosten und Basiszinssatz

Vorderseite: Welche Rolle spielt der Basiszinssatz als Teil der Opportunitätskosten?

Rückseite:

  • Basiszinssatz = Teil der Opportunitätskosten der Investoren
  • Unterliegt dem Äquivalenzprinzip
  • Repräsentiert die beste alternative Verwendung des Kapitals
  • Grundlage für die Diskontierung zukünftiger Zahlungsströme
  • Muss risiko-, laufzeit- und währungsäquivalent sein